INTERNAZIONALIZZAZIONE - CAMERA DI COMMERCIO DI ASCOLI PICENO

seguici su:

monete

Das Presidato Sistino

Die Strecke führt 33 km über die Hügelkette, vom quirligen Städtchen Grottammare über die Ortschaften Ripatransone und Cossignano nach Montalto Marche.
In diesen Ortschaften hat Papst Sixtus V die ersten Jahrzehnte seines Lebens gewirkt.
Ende des 16. Jahrhunderts sorgte der Pontifex dafür, dass der Kirchenstaat wieder neues Prestige erhielt, indem er für tiefgreifende bauliche und administrative Neuerungen in der Ewigen Stadt sorgte und mit Entschiedenheit gegen den herrschenden Sittenverfall und die Kriminalität vorging.
Der zukünftige Papst war in Grottammare geboren, zog aber schon als junger Mann nach Montalto Marche, der geliebten Heimat, aus der seine Familie stammte.
Nachdem der Ort auf sein Betreiben zur Stadt und Diözese erklärt worden war, gründete Papst Sixtus 1586 das Presidato von Montalto, einen Verwaltungsbezirk, dem gut siebzehn Ortschaften unterstanden.
Felice Peretti, der 1585 unter dem Namen Sixtus V Papst wurde und bis 1590 im Amt blieb, war in Grottammare geboren, doch seine Familie stammte ursprünglich aus Montalto Marche.
Mit seinem Herkunftsort fühlte er sich so sehr verbunden, dass er ihn zum Presidato erklärte, nach Ascoli Piceno und Fermo der drittgrößten Verwaltungseinheit des Piceno.
Der aus bescheidenen Verhältnissen stammende Peretti wurde Franziskaner und stieg bis in die höchsten Ämter der Inquisition auf.
Sixtus V. ist als “il papa tosto” (der resolute Papst) in die Geschichte eingegangen.
Um ihn ranken sich unzählige Anekdoten, deren bekannteste seine Skepsis gegenüber Wundergeschichten illustriert.
In Rom ging das Gerücht um, dass es in einem Landgut gleich vor den Toren der Stadt eine hölzerne Christusfigur gab, aus der Blut rann.
Der Zustrom der Gläubigen brachte dem Eigentümer des Gutshofes beachtliche Einnahmen, und Papst Sixtus, der von der Wundergeschichte gehört hatte, entschloss sich, das Landgut aufzusuchen, um sich persönlich von dem Geschehen zu überzeugen.
Als man ihm die wundertätige Figur gezeigt hatte, ließ sich der Papst eine Axt bringen und rief aus: Als Christus bete ich dich an, als Holzfigur zerschlage ich dich.
Dann schlug er mit Wucht auf die Statue ein und zerstörte sie.
Es zeigte sich, dass in ihrem Innern ein mit Tierblut getränkter Schwamm verborgen war, der, wenn man ihn mithilfe eines Seiles ausdrückte, das Abbild zum Bluten brachte.
Der Papst hatte genug gesehen: Der Eigentümer des Gutshofes wurde nach Rom gebracht und hingerichtet.
Heute noch gibt es das Sprichwort Papst Sixtus verschonte selbst nicht Christus!, das auf diese Episode zurückgeht.

Grottammare erstreckt sich entlang der Adriaküste, im Schutze eines natürlichen Vorgebirges, auf dem im Mittelalter die Altstadt angesiedelt war, umgeben von einer heute noch gut erhaltenen Stadtmauer.
Erst vor kurzem ist der Gefechtsturm restauriert worden, heute Sitz eines Museums, das dem berühmten Sohn der Stadt Pericle Fazzini gewidmet ist, dem “Bildhauer des Windes”, wie der Dichter Giuseppe Ungaretti ihn nannte.
Im Jahr 1868 weilte der weltberühmte Pianist Liszt lange Zeit in Grotttamare.
Überwältigt von der Schönheit des Ortes schrieb er: Das azurblaue Meer, die lieblichen grünen Hügel, das milde Klima, der Duft der Blumen und der Orangenbäume bilden ein poetisches Gedicht, das der himmlischen Harmonie der Töne gleicht.
In Grottammare machten der Held der Zwei Welten, Giuseppe Garibaldi, und der zukünftige König Italiens, Vittorio Emanuele II., Station.
Letzterer empfing hier am 12.
Oktober 1860 in der Villa dei Marchesi Laureati die Delegation aus dem Königreich Neapel, die ihm das damalige Königreich Neapel und die Krone Italiens übergab.
In der an den Hängen der Siedlung gelegenen Villa Azzolino, die nach einem Entwurf Berninis errichtet wurde, residierte 1665 Königin Christine von Schweden.
Nicht weit davon befindet sich die Kirche Sant’Agostino mit ihrer befestigten Apsis und ihrem abgebrochenen Kirchturm.
Nach der Gegenreformation war dies ein übliches Vorgehen für Kirchen, die Martin Luther aufgenommen hatten, den Augustinermönch und Initiator der Reformationsbewegung von 1517, der als Gast im angrenzenden Kloster gewohnt hatte.
Die historische Altstadt bietet herrliche Aussichtsterrassen mit Blick auf die “Marina”.
Ganz in der Nähe liegt die Kirche San Giovanni Battista, die das Sixtinische Museum beherbergt, sowie die Stiftskirche Santa Lucia, die die Schwester des Papstes 1590 am Ort ihres Geburtshauses errichten ließ.
Das Innere der Kirche birgt eine Orgel des berühmten Orgelbauers Fedeli aus dem Jahr 1751.
Immer wenn der 1. Juli auf einen Sonntag fällt, wird in Grottammare das Volksfest Sacra Giubilare gefeiert, um an die Notwasserung des päpstlichen Schiffes im (heute nicht mehr vorhandenen) Hafen zu erinnern.
Papst Alexander III war gerade auf dem Weg nach Venedig, um den Widerstand gegen Friedrich Barbarossa zu formieren, der die Halbinsel besetzen wollte, als sein Schiff in einen heftigen Sturm geriet und die Küste ansteuern musste.
Die Kamaldulensermönche der Abtei San Martino luden den Papst ein, doch noch bis zum 1. Juli zu bleiben, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen, die die Einheimischen nach überlieferter Tradition ausrichteten.
Erstaunt und gerührt über die außerordentlich lebhafte Teilnahme des Volkes nahm Papst Alexander seine Kopfbedeckung, den Camauro, ab, füllte ihn mit Sand und verkündete: Jedem Pilger seien so viele Sünden erlassen, wie Sandkörner in diesem Camauro sind.
Seit diesem Tag strömen die Pilger zur Abtei San Martino vor den Toren der Siedlung, an der Straße nach Offida, um den Plenarablass zu erhalten.

Ripatransone, auf einem Hügel mit herrlichem Blick auf die Umgebung gelegen, ist eine Stadt der Kunst, deren Stadtbild von Bauwerken aus Tonfliesen geprägt ist.
Ihre bewegte Geschichte reicht von prähistorischer Zeit und von der Eisenzeit über das Mittelalter, als sie freie Gemeinde war und sich gegen Fermo und Offida behaupten musste, und die Renaissance, da sie als Stadt und Diözese über eine bemerkenswerte Baustruktur verfügte, bis in die Neuzeit.
Ein Kuriosum der Ortschaft ist die mit 43 cm engste Gasse Italiens.
In der Osteroktav (der Woche nach Ostern) findet in der Stadt ein großes Feuerwerk statt, das Cavallo di fuoco, ein mitreißender volkstümlicher Brauch, mit dem die Bewohner der Stadt ihre Verehrung für die Jungfrau Lauretana bekunden.
Der Überlieferung nach liegt der Ursprung dieses Festes im ausgehenden 17. Jahrhundert, als ein eigens für die Feierlichkeiten engagierter Feuerwerker, um das Volk zu unterhalten, auf einem über und über mit Feuerwerkskörpern beladen Pferd mehrere Runden über die Piazza ritt und dabei Feuerstrahlen und alle nur erdenklichen Sonderbarkeiten produzierte.
Das Schauspiel begeisterte die Einwohner so sehr, dass sie es jedes Jahr wiederholen wollten.
Heute wird allerdings eine mit Feuerwerkskörpern gefüllte Pferdeattrappe verwandt.
Diese explodieren in sicherem Abstand in der Luft, so dass die Menge mit Funken besprüht wird: ein herrlich bizarres Schauspiel.
Das “Pferd” hält hinter der Kapelle Einzug auf der Piazza und wird noch unangezündet durch die Menge geführt.
Vor der Kathedrale wird dann sein Schweif in Brand gesteckt, und der Feuerwerkszauber kann beginnen.

Wenn man Cossignano hinter sich gelassen hat, eine reich mit historischen Bauwerken ausgestattete Ortschaft mit herrlichem Blick auf die Berge des Apennin, gelangt man nachMontalto Marche, an der Wasserscheide zwischen den Flüssen Aso und Tesino gelegen.
Aus diesem Ort stammte die Familie von Papst Sixtus V., der Montalto Marche zum Presidato erhob.
Die Hochzeit des Ortes als drittgrößtes Zentrum des Piceno endete im Jahr 1808, als Napoleon das Department Tronto wiedererrichten ließ.
Als wahrer Hort der Kunst kann Montalto Marche neben seinen gewaltigen Stadtmauern aus dem 16. Jahrhundert einige bedeutende Bauwerke vorweisen, darunter die Wassermühle in der Region Valdaso, die im 18. Jahrhundert als päpstliche Münzanstalt genutzt wurde.
Jedes Jahr am 14. August legt sich ein märchenhafter Zauber über die Stadt: Es ist die Nacht der Hexen und Kobolde, die Notte dei Folletti e delle Streghe, eine Veranstaltung für Kinder, bei der die Schauplätze und Figuren der bekanntesten Märchen nachgestellt werden.
Am späten Abend wird auf der Piazza die Große Schwarze Hexe verbrannt, um dann im nächsten Jahr wieder zu neuem Leben zu erwachen.